FDP: Keine Verkehrsexperimente am Märkischen Ring

Die FDP-Fraktion im Rat der Stadt Hagen lehnt die von der Verwaltung geplante Umweltspur auf dem Märkischen Ring ab. Nach den Plänen sollen zwischen Badstraße und Zehlendorfer Straße die jeweils äußeren Fahrstreifen für den Bus- und Radverkehr reserviert werden. Dem übrigen Verkehr bliebe damit nur noch eine Fahrspur je Richtung.
„Ausgerechnet zu Beginn einer jahrelangen Großbaustellenphase eine der wichtigsten Verkehrsachsen unserer Innenstadt künstlich zu verengen, ist der völlig falsche Weg. Der Rückbau der Ebene II wird den Hagenerinnen und Hagenern ohnehin erhebliche Einschränkungen abverlangen. Jetzt brauchen wir ein möglichst leistungsfähiges und flexibles Straßennetz – und keine zusätzlichen Verkehrsexperimente“, erklärt die Vorsitzende der FDP-Ratsfraktion, Katja Graf.
„Besonders irritierend ist, dass die Verwaltung eine Fahrspur je Richtung wegnehmen will, ohne in ihrer Vorlage nachvollziehbar darzustellen, was das für den übrigen Verkehr bedeutet. Wir finden dort keine belastbare Prognose zu Rückstaus und zusätzlichen Fahrzeiten. Gleichzeitig spricht die Verwaltung selbst von komplexen Umleitungskonzepten während des Rückbaus der Ebene II. Das passt für uns nicht zusammen“, so Graf weiter.
Der FDP-Kreisvorsitzende Lennart Poll warnt zudem vor möglichen Folgen für die angrenzenden Wohngebiete: „Verkehr verschwindet nicht dadurch, dass man ihm eine Fahrspur wegnimmt. Wenn sich der Verkehr auf dem Märkischen Ring zurückstaut, besteht die Gefahr, dass Autofahrer nach Ausweichrouten suchen und zusätzlicher Verkehr in die umliegenden Viertel verdrängt wird. Damit verlagert man das Problem möglicherweise direkt vor die Haustüren der Anwohner. Gerade solche Auswirkungen müsste die Stadt vor einem Verkehrsversuch untersuchen und nicht erst hinterher feststellen.“
Kritisch bewertet die FDP zudem, dass der konkrete Nutzen für den ÖPNV in der Vorlage nicht beziffert wird. Die Verwaltung erwartet zwar „Beschleunigungseffekte“, nennt aber keine konkreten Zeitgewinne.
„Natürlich wollen auch wir, dass Busse zuverlässig fahren und sichere Radverbindungen entstehen. Aber dafür muss man Nutzen und Nebenwirkungen einer Maßnahme seriös gegeneinander abwägen. Wenn eine Hauptverkehrsachse erheblich in ihrer Kapazität eingeschränkt werden soll, müssen wir wissen, welchen konkreten Vorteil das bringt und welchen Preis der übrige Verkehr dafür zahlt. Diese Abwägung können wir der Vorlage so nicht entnehmen“, erklärt Poll.
Auch der angekündigte Versuchscharakter überzeugt die Liberalen nicht. Die Verwaltung sieht die Umweltspur zunächst für etwa zwölf Monate vor, strebt nach einer „positiven Evaluation“ aber ausdrücklich eine Verstetigung an. Konkrete Erfolgskriterien werden in der Vorlage nicht benannt.
Graf abschließend: „Wenn man von einem Verkehrsversuch spricht, müssen vor dem Start klare und messbare Kriterien feststehen. Sonst kann hinterher nahezu jedes Ergebnis als Erfolg interpretiert werden. Hagen steht verkehrlich vor schwierigen Jahren. Unsere Priorität muss jetzt sein, die Innenstadt trotz der zahlreichen Baustellen möglichst gut erreichbar zu halten und zusätzliche Staus zu vermeiden. Deshalb werden wir der Umweltspur am Märkischen Ring nicht zustimmen.“
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